Childen of Men
Der Film war beeindruckend konsequent, das UK ein Chaos, Müllhalden, brennende Rinderkadaver, Schulruinen, „fugees“ in Käfigen, Erschießungskommandos, staatliche Paranoia, Gesetzlosigkeit, Konzentrationslager, und nach anhaltenden Kriegen eine weltweite Unfruchtbarkeit und Kinderlosigkeit. Die Trauer ist global zu spüren. Eine Frau entkommt mit ihrer neugeborenen Tochter in die Hoffnung auf ein neues Leben.
Wie weit davon ist die Wirklichkeit, diese dünne Schicht gesteuerter Wahrnehmungsebenen?
Hier gibt es immer mehr gesunde und kranke alte Deutsche. Die gesunden Alten sollen arbeiten, bis ihnen der Sargdeckel auf den Kopf fällt. Die kranken Alten werden wirtschaftlich versorgt.
Schön, dass wir sie noch am Leben lassen.
Ich bin nächsten Monat 57.
Früher hat man das bei uns anders gemacht. Grafeneck ist ganz nahe, ein übler Fleck in der Geschichte. Hinter Kostenrechnungen und bürokratischen
Regelungen steckt eine zunehmend autonomere und unkontrollierte Verwaltungstechnokratie, die wie ein Riesenkrake alles verschlingend überall lauert. In dieser entmenschlichten Sphäre vermeine ich neben Mozarts Kleiner Nachtmusik und Beethovens Eroica ein wenig Hiphop, Rasta und chillout Musik zu hören, dahinter Schreie, ersticktes Gurgeln, Seufzen, Wortfetzen wie „entartet“, lebensunwert“, „gemeinschaftsunfähig“. Die höflichen Angestellten, die diese Kulisse verwalten, schreiben Briefe an beidseits oberschenkelamputierte Schwerstkranke: „Sie haben kein Recht zu gehen.“
Wenn ich wahrhaftig leben will, so muss ich mich jeden Tag mit meiner Verletzlichkeit auseinandersetzen, mit meiner Nacktheit, mit werden und vergehen. Erst dann bin ich frei für Wahrnehmungen außerhalb meiner selbst. Erst dann habe ich meine Gutenachtgeschichte verdient.
Altern ist nicht nur schön, Schmerzen, Auflösung, üble Gerüche, Trauer. Aber der zunehmende Hormonabfall macht Raum zwischen den Schleiern der Maja, zwischen den heftigen Anfällen von Verlangen, und wir sehen wieder mehr, besser, andere Konturen können hervor treten, Gewichtungen fallen weg, der Kopf wird freier.
Der Kurs „Palliativmedizin“ ist so ein typisch deutscher Ansatz. Mein Kollege M. hat recht. Kann in einem Fachgespräch die Befähigung zur Sterbebegleitung geprüft werden? Im UK heißt das „palliative care“, care!
Wir brauchen alle Ärzte geschult im Umgang mit Schmerztherapie und Schmerzpumpen und mit medikamentöser Sterbebegleitung, wenn diese notwendig werden.
Ich soll 25 Patienten aus den letzten 5 Jahren schildern, bei denen solche Maßnahmen nötig wurden. Es ist eine Geschichte des eigenen Versagens, eine Geschichte verlorener Kämpfe, es ist auch eine Geschichte von Erlösung.
Die 6 Kurstage haben angeregt, getröstet und selbstkritisch gemacht.
Am schlechtesten konnte ich den Patienten helfen, die Wände und Wände aus Schweigen um sich errichtet hatten, deren Verwandte Wand um Wand zogen, Menschen, die den Krebs, den Schmerz und den Tod bis zuletzt verleugneten. Wie soll ich denen helfen? Ich weiß es auch nach diesem Kurs nicht. Ich fühle mich hilflos.
Gibt es einen Weg um die Wand herum?
Es soll doch immer mindestens 3 Wege geben: stehen bleiben, durch die Wand, um die Wand herum?
Wo ist heute meine Gutenachtgeschichte?
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Friday, March 23, 2007
Thursday, March 22, 2007
The Hollow Men
"Between the idea
And the reality
Between the motion
And the act
Falls the shadow"
The Hollow Men
T.S.Eliot
And the reality
Between the motion
And the act
Falls the shadow"
The Hollow Men
T.S.Eliot
lost in transition
I saw a film, "Lost in Translation". Not bad, weird, about the Japanese and our limits of communication.
Now blogging from Edinburgh, having another coffee in another cafe, the Black Medicine Shop.
I am ususally so busy, time passes quickly, and I don't easily feel lost. My life has a continuous meaning, my own importance has grown into an awareness of self-importance to which I am accustomed by now. Now I am loitering around Edinburgh, watching so many eyes staring, hungry for life, pale kids at the side of sloppy fat mothers stepping into light, coming out of their dark dungeons, drug addicts begging for coins, school classes queueing up for a tour of the castle, their faces bored. I got hungry, bought some samosas, started eating them, placed the bag on top of a litter bin, drank my ginger beer. All of a sudden time appeared as a vacuum, I felt being pulled into nothingness, lost, meaningless, soon to be poor, hungry, thirsty, seriously ill and finally defeated.
The tall grey stone houses, these dark and narrow steps, Fleshmarket Close, a T-shirt shop at the corner, and towering above all of them the castle, the rock and Earl Haig on his splendid horse.
Somewhere near the Writer's Museum a step, a stone, enchisseled the words: "It's a grand thing to get leave to live." I still have to digest that.
Now blogging from Edinburgh, having another coffee in another cafe, the Black Medicine Shop.
I am ususally so busy, time passes quickly, and I don't easily feel lost. My life has a continuous meaning, my own importance has grown into an awareness of self-importance to which I am accustomed by now. Now I am loitering around Edinburgh, watching so many eyes staring, hungry for life, pale kids at the side of sloppy fat mothers stepping into light, coming out of their dark dungeons, drug addicts begging for coins, school classes queueing up for a tour of the castle, their faces bored. I got hungry, bought some samosas, started eating them, placed the bag on top of a litter bin, drank my ginger beer. All of a sudden time appeared as a vacuum, I felt being pulled into nothingness, lost, meaningless, soon to be poor, hungry, thirsty, seriously ill and finally defeated.
The tall grey stone houses, these dark and narrow steps, Fleshmarket Close, a T-shirt shop at the corner, and towering above all of them the castle, the rock and Earl Haig on his splendid horse.
Somewhere near the Writer's Museum a step, a stone, enchisseled the words: "It's a grand thing to get leave to live." I still have to digest that.
Tuesday, March 20, 2007
her hair spread out in fiery points, glowed into words
And other withered stumps of time
Were told upon the walls; staring forms
Leaned out, leaning, hushing the room enclosed.
Footsteps shuffled on the stair.
Under the firelight, under the brush, her hair
Spread out in fiery points
Glowed into words, then would be savagely still.
The Waste Land
T.S.Eliot
1922
In Berwick on Tweed, im Café Nero.
Ich möchte Sie nicht mit The Waste Land
langweilen, aber geht das überhaupt?
Anlässlich eines Kurses in Palliativmedizin
und meines kommenden Geburtstags im
April habe ich T.S. Eliot wieder gefunden.
Hier stürmt es, die Wellen rasen über
das Meer mit Fahnen von Gischt, brechen
über die Fundamente des Leuchtturms, der
Wind ist herrlich, die Luft ist zum Trinken.
Nun schneit es, nachdem vorher das Licht grell
und wild über das Meer glitzerte. Ein Seehund
tauchte auf, wie ein Gruß aus dem Meer. Ich bin
froh, wieder hier zu sein.
Das möchte ich malen, und ich weiß, dass ich
es nicht kann, wie das Haar Worte in die
Atmosphäre brennt, und wie es dann
barbarisch still wird.
Ich habe noch kaum je ein faszinierenderes Bild
gelesen, gelesen und an meiner inneren Wand
sehen können.
Hier finde ich den Unterschied zwischen dem
Ausdrucksvermögen von Sprache und Bild
wieder. Ich erinnere mich, wie viel spannender
und farbenfroher und vielschichtiger Winnetou
oder Lederstrumpf oder Doktor Schiwago als
Buch waren, wie verhältnismäßig enttäuschend
ich die Filme fand.
Ich lasse mir diesen Satz nochmals auf der
Zunge zergehen, schlürfe meinen Cafe, warte auf
eine Eingebung, stelle fest, dass ich bedürftig bin.
Were told upon the walls; staring forms
Leaned out, leaning, hushing the room enclosed.
Footsteps shuffled on the stair.
Under the firelight, under the brush, her hair
Spread out in fiery points
Glowed into words, then would be savagely still.
The Waste Land
T.S.Eliot
1922
In Berwick on Tweed, im Café Nero.
Ich möchte Sie nicht mit The Waste Land
langweilen, aber geht das überhaupt?
Anlässlich eines Kurses in Palliativmedizin
und meines kommenden Geburtstags im
April habe ich T.S. Eliot wieder gefunden.
Hier stürmt es, die Wellen rasen über
das Meer mit Fahnen von Gischt, brechen
über die Fundamente des Leuchtturms, der
Wind ist herrlich, die Luft ist zum Trinken.
Nun schneit es, nachdem vorher das Licht grell
und wild über das Meer glitzerte. Ein Seehund
tauchte auf, wie ein Gruß aus dem Meer. Ich bin
froh, wieder hier zu sein.
Das möchte ich malen, und ich weiß, dass ich
es nicht kann, wie das Haar Worte in die
Atmosphäre brennt, und wie es dann
barbarisch still wird.
Ich habe noch kaum je ein faszinierenderes Bild
gelesen, gelesen und an meiner inneren Wand
sehen können.
Hier finde ich den Unterschied zwischen dem
Ausdrucksvermögen von Sprache und Bild
wieder. Ich erinnere mich, wie viel spannender
und farbenfroher und vielschichtiger Winnetou
oder Lederstrumpf oder Doktor Schiwago als
Buch waren, wie verhältnismäßig enttäuschend
ich die Filme fand.
Ich lasse mir diesen Satz nochmals auf der
Zunge zergehen, schlürfe meinen Cafe, warte auf
eine Eingebung, stelle fest, dass ich bedürftig bin.
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