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Wednesday, March 14, 2007

Wenn Tote heim kommen

Eine Geschichte bei einem Hausbesuch:
das "Bäsle", wie man bei uns sagt, hatte einen schwer kranken Ehemann. Sie kamen in die Jahre, und er war oft im Krankenhaus, oft schon in Lebensgefahr gewesen. Sie hatte nie viel von ihren Gefühlen zeigen können, eher ein Kopfschütteln und ein etwas aufgesetzt wirkendes Lachen. Als es bei ihrem Mann ans Sterben ging, begab sie sich ins Krankenhaus und drängte darauf, dass er jetzt sofort nach Hause kommen solle zum Sterben. Ihr Begehren war erfolgreich. Noch heute, viele Monate später, erzählt sie allen Verwandten, sie sei eine frohe Witwe, weil sei so glücklich sei, dass sie ihren Mann habe bei sich sterben lassen können. Ja, sie solle doch in Schwarz trauern und nicht so fast unverschämt fröhlich sein. Bei ihrem letzten Gespräch mit meiner Patientin meinte sie aber, es sei an der Zeit, jetzt könne er ruhig auch einmal wieder heim komen.
Das ist Trauer auf der Schwäbischen Alb, karg, herb, aber doch auch irgendwie schön!

Die Rippe Adams

"Das Ripp", das Weib. Eine christliche Lehre und laut einem Rabbiner, dem ich zugehört habe, eine Fehlübersetzung. Im Hebräischen wird Eva aus der Seite des Mannes geschaffen. Daher bedeuten Adam und Eva dann ganz natürlich zwei Seiten eines ganzen Wesens. Ein nicht verheirateter Jude könne nie ein ganzes Gemeindemitglied sein.

So viel Missverständnisse, Feindschaft, Erniedrigung und Erlösungsbedürnis auf Grund eines Übersetzungsfehlers? So viel Verstümmelung, Folter, Grausamkeit und Morde, so viele Qualen, solches Elend? Ich denke dabei an die Hexenprozesse.

Ich benenne auch die Ehezombies, die Untoten in den schönen Neubauten. Ich beschwöre die Selbstverwirklichungspaniker, die geopferten Kinder.
Ich male den stummen kleinen täglichen Tod an die Wand, die Seelengefängnisse, die unerfüllten Träume, die ungehörten Gedanken, die Gebete der Verlassenen, die Tränen der Trauernden.

Denk an die dumpfe Weitergabe einer Auffassung, die die Frau unter dich als Mann stellt, nur damit du dich nicht vor ihr fürchten musst? Was ist das für eine jämmerliche Geschichte.
Es ist doch die gleiche Geschichte einer geistigen Verarmung, die Geschichte von Bildersturm, Bücherverbrennung, Ächtung, Inquisition, die Jammertal-und- Jenseits - Geschichte.

Die Übersetzer müssen schön frustriert über ihren Weinhumpen gehangen haben.Der grosse Vater hat es auch nicht ändern wollen, wenn er doch die vielen schwarzen Männer in einsamster Enthaltsamkeit unterworfen gefangen halten will. Diener zwischen Welten....

Vielleicht ist es ja nicht nur wegen der Übersetzung. Mann und Frau sind eben doch zwei verschiedene Seiten dieses "Wesens" Mensch.

Von dem Augenblick an, in dem aus zwei drei werden, erfüllt sich die primäre Aufgabe der Zweisamkeit, es kommt zu einer Verteilung von Aufgaben, die alle dem Dritten dienen, dem "Kind". Während dieses Prozesses kommt es zu den tiefgreifendsten Verwirrungen, Mitteilungsstörungen, Selbstverständniskrisen und Überforderungssituationen aller Art für die Seiten Eins und Zwei.

Es ist tragisch, wenn in eben diesem spirituellen Umbau nichts weiter einfällt als verächtliche Zoten aus einem so durch einen Übersetzungsfehler erlernten überheblichen Selbstverständnis des Mannes.

"Das Ripp" war schuld. Nicht die Schlange auch? Der süsse Apfel der Lust? Wer hat gegessen?

Schlaft schön. Es ist spät geworden. Aber hört immer genau zu. Misstraut Übersetzern.

Freiheit

"Alterius non sit qui suus esse potest"

Wahlspruch des Paracelsus


(Eines anderen Untertan sei nicht wer sein eigener Herr sein kann)

Sunday, March 11, 2007

Langeweile

Wenn ich jetzt noch was schreibe, wird es langweilig. Oder gefährlich. Andere brauchen und wollen nicht alles wissen. Vor einer Woche habe ich V. zum Beispiel eine Geschichte erzählt, die zwar wahr ist aber nicht erzählenswert, eher nur flach und abstossend. Es war ein Zeichen der Abwehr, aber völlig übertrieben und verletzend. Ich sehe, das interessiert Sie nicht. Mich schon: ich konnte mich bisher nicht entschuldigen. Schuld ist eine Last, ist ohne Verzeihung allein oft fast zu schwer.

Unser Dr. Frhr. von Freytag-Loringhoven im Kurs für Palliativmedizin erwähnte mindestens zwei mal das Wahrhaftigkeitsprinzip: bleib wahrhaftig, wenn du etwas erzählst, aber du musst nicht so ehrlich sein, das du alles erzählst,was andere vielleicht gar nicht wissen wollen.

Die Grenze ist auch in so einem öffentlichen Tagebuch schwierig.
Ich will nicht langweilen, weder Sie noch mich.
Ich möchte nicht, dass man mir nachspionieren kann.

Aber ein Kommentar wäre hier hilfreich.
Vermutlich würde ich aber aus Trotz das Gegenteil tun.
Versuch?