google analytics

Showing posts with label Hoffnung. Show all posts
Showing posts with label Hoffnung. Show all posts

Monday, January 10, 2011

Ansprache an Jonas Burgert


Jonas Burgert, "Gift gegen Zeit"
"Lebendversuch": Ausstellung
Kunsthalle Tübingen, Germany


jonas burgert,
ich wollte, ich könnte malen wie du,

aber dir möchte ich die hoffnung in die haut ätzen,
dir möchte ich die sehnsucht unter die nägel stechen,
dein herz möchte ich dir ins hirn schlagen,
das verlangen will ich dir in deine träume flüstern (lassen).
und zu der farbe will ich dir licht schenken,
das deine bilder stören soll
ich will dir ein lachen schicken,
jäh und unerklärt


jonas burgert,
du bist erst 41, hör:
gnade für die verlorenen träume!
erleuchte die trostlosen räume...

Ist die Hoffnung eine Himbeere?

Falls die Hoffnung eine Himbeere ist, werde ich sie heute abend aufessen. Essen mit Haut und Haar, ratzeputz verspeisen, mit Zucker, mit Genuss und gänzlich ohne Reue.

Aber wenn die Hoffnung eine Erdbeere ist: Erdbeeren habe ich nicht in meiner Truhe.
Ich kann sie nicht auftauen, ich kann sie nicht zuckern, ich kann sie nicht essen. Sie sind nicht da.

Hoffnung verletzt, ritzt die Haut tief ein, ätzt, gräbt sich in die tieferen Schichten durch, schwelt und eitert. Hoffnung fordert. Hoffnung täuscht. Hoffnung verkleidet sich.

Ich werde diese verfickten Himbeeren fressen, dazu Wodka trinken, und ich werde mir sagen,laut, deutlich, böse: hope sucks.

Und mit dem schmelzend herrlichen Geschmack auf der Zunge werde ich mir wieder einen Strauss aus Hoffnung und Glück träumen, und ich werde diesen Strauss hassen, unter meinem ohnmächtigen Zorn begraben, in Schnee ersticken, in einem Meer von gelb blühendem Senf versenken und mit roten und grünen Klecksen bewerfen.

Und ich werde weiter leben, fuck you and you. Trotzdem. Hoffnung ist eine Himbeere aus meiner Tiefkühltruhe, sonst nichts.

Klar?
Support independent publishing: Buy this book on Lulu.