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Sunday, March 4, 2007

burn out

Nach "Dunkel lockende Welt" von Händl Klaus im Landestheater Tübingen eine Fahrt über die Alb.
Es ist dunkel und nass gewesen, kalt, und ich hatte mich in mich gestülpt, war in mich gekehrt ohne noch zu wissen, wo ich diesen und den nächsten Augenblick verbrachte.

Davor hatte ich noch einer verwirrt-verwirrenden Belehrung über psychische Infektionen und über projektive Identifikation im Sinne einer Magie der Unlust bei burn out zuhören dürfen. Der Ausgebrannte verstumme im erschöpften Aufflackern seiner Körperlichkeit .
Again in prison, infiziert von sich selbst repetitiv kopierenden Unglücksprionen seiner eigenen unbewussten Phantasie, zerbrochen an unerfüllten Wünschen und an den Folgen unidentifizierter Übertragungsmuster.

Das klingt gut, ist aber Scheisse.
Was fehlt ist schon zu viel.

Schlaf, Bewegung, Freude, Rhythmus, wo seid ihr?
Wo höre ich das Locken eines Cello, den Flügelschlag der wilden Schwäne?

Aus Trauer und Sehnsucht heraus höre ich: "ich möchte ein finnisches Eidechslein sein..." !
So geschehen im LTT, makaber, schräg, aber projektiv sarkastisch, infektiös und fast schon halluzinatorisch-witzig. Gutes Theater.

Kommt, träumt und folgt Euren Träumen. Kommt und geht.

Friday, March 2, 2007

I am a spiritual disaster

Palliative care, ein Kurs, an dem ich teilnehme.
Alles war angemessen. Dann ein Vortrag, in dem sich der Vortragende in seiner rhetorisch-pietistischen Überheblichkeit noch eben zu einer Predigt durchringen konnte.

Von ihm ist kein Trost zu erwarten. Er trauert auf nebelhaft-unbestimmte Weise im Jammertal, wo er auf den Freudenmeister wartet, der ihn aus der Niederlage seines Lebens erlösen soll.

Im Gegensatz zu dem katholischen Priester, dessen Vortrag voranging, gibt es für ihn kein sowohl als auch sondern nur obwohl und trotzdem und gegeinander.

Das Mikrophon klirrte, und er bemerkte laut enttäuscht, wie physisch doch alles sei trotz seiner ganzen Spiritualität. Bei ihm gab es nur Gegensätze , wobei auf typisch abendländisch-christliche Weise Licht und Schatten gegeineinander arbeiten und nur das Helle gut sei, das Licht jenseits dieses Lebens, an das wir glauben müssen obwohl hier alles so im Niedergang und Vergehen sei.
Ich kann mir kein Licht ohne Dunkel vorstellen. Ein jeder Maler weiß das besser.
Vielleicht ist deser Pfarrer eine Motte, die im puren Licht ihre Zerstörung finden wird.

Sterben kann so brutal sein, so zernichtend, alles auflösend, und da soll mir dieser litaneihaft salbadernde Trauerkloss helfen können? Wenn meine Frau doch sterben solllte, so sollte er mir Trost spenden, mich zu meiner Erlösung und zu Vergebung führen, mir einen Ort der Kraft zeigen können, den er gar nicht kennen kann?
O Herr, schütze mich vor solchen Begleitern, die ich im Sterben und Trauern noch erst in den Arsch treten müsste eh sie sich aus ihrer aufgeblasenen Hülle heraus mir in meiner Einzigartigkeit zuwenden könnten.

Der katholische Priester sprach vom Geheimnis der Liebe. Das gefiel mir besser.

Und ich denke an "Der kleine Prinz", der sich von einer Schlange beissen lassen muss, um seinen Weg zu den Sternen zu finden.

Thursday, March 1, 2007

getting woozy spiralling through cosmic space

We should be getting around this language problem. There is only one God they say, but I can't tell you about it. There may be only one language but following the fall of Babylon the meaning of words got all confused. Sleep well, my love.

Meine Mutter, meine Schwester, meine Verwandten

Na, das gibt Ärger. Es ist sicher vorsichtiger, nichts über erkennbare Personen zu verfassen. Da meine Mutter 82 Jahre alt ist, nehme ich aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit an, dass sie nicht morgen am Internet sitzen wird. Bei ihr weiß man nie. Mit künstlichen Kniegelenken links und rechts fährt sie in einem Augenblick nach Südtirol, den anderen zu einem Flohmarkt hier, einem Museum dort, einer Barockkirche woanders, zu einem Japanischkurs am Montag, zu einem Hausbesuch bei ihren Kindern am Dienstag, nach Hamburg am Mittwoch. Sie kommt zur Tür herein, und mit ruckartigen kleinen starren Bewegungen des Kopfes und Nackens richtet sie ihre Augen einmal im Raum herum, fällt ihr endgültiges Urteil zum Zustand, zur Farbabstimmung, räumlichen Aufteilung und Atmosphäre, bemerkt, dass ihre Geschenke nicht auffindbar sind, sagt, "ich kann nicht lange bleiben" und "wo hast du diese Vase her" und "was ist das für ein Hemd", alles in einem Satz, behält ihren Mantel an, egal ob warm oder kalt, zieht Zeitungsausschnitte und Merianhefte aus ihrer Tasche, und schon etwas heiser verspricht sie "und das hab ich dir mitgebracht, du undankbarer Sohn", und weg ist sie. Eine ehemalige Lehrerin, die nach einer kurzen und brutalen Zensur anhand rein ästhetischer Richtlinien ihre Umwelt mit absoluten Vorurteilen belegt. Ihr bleibt nur der Weg in den Rückzug, aus dem heraus sinngemäss kein Fortschritt zu erwarten ist. Wir wollen sie in Ruhe lassen. Meine Schwester hat heute eine Telefonsuchaktion nach meiner Mutter gestartet. Bei ebay könnte ich mir eine Mutterauktion vorstellen, ein Umtausch erscheint ausgeschlossen. Vielleicht meldet sich jetzt jemand?